Projektüberblick
Das Projekt „European Music Rights Platform (EMRP)“ untersuchte die Machbarkeit einer dezentralen Plattform zur Verwaltung und zum Austausch von Musik-Metadaten innerhalb Europas.
Ziel war es, eine Lösung für die zunehmende Fragmentierung von Copyright-Daten, unterschiedliche nationale Lizenzsysteme und asymmetrische Machtstrukturen in der Musikindustrie zu entwickeln.
Im Fokus standen insbesondere:
- Verbesserung der Metadatenqualität
- Transparenter Rechteabgleich
- Dezentraler Datenaustausch
- Vermeidung zentraler Machtkonzentration
Ausgangslage
Die europäische Musikindustrie ist geprägt durch:
- Fragmentierte Copyright-Strukturen
- Getrennte Identifikationssysteme (ISRC / ISWC)
- Unterschiedliche nationale Lizenzmodelle
- Proprietäre Datensilos
- Asymmetrische Machtverhältnisse zwischen Stakeholdern
Frühere zentrale Lösungsansätze – wie etwa die Global Repertoire Database (GRD) – scheiterten insbesondere an Fragen der Datenhoheit und Governance.
Gleichzeitig erfordert die zunehmende Digitalisierung und Internationalisierung der Branche eine effiziente, transnationale Lösung.
Vorgehen & Methodik
Zur Analyse der Anforderungen wurden:
- 10 Experteninterviews mit Labels, Verwertungsgesellschaften, Künstlern, Bibliotheken und B2B-Dienstleistern geführt
- Machtstrukturen und Datenflüsse entlang der Wertschöpfungskette untersucht
- Stakeholder-Personas entwickelt
- Funktionale und nicht-funktionale Anforderungen abgeleitet
Auf dieser Basis wurde ein technisches und organisatorisches Zielkonzept entwickelt.
Zielkonzept
Kern des Konzepts ist eine dezentrale Plattform, die:
- keine zentrale Datenspeicherung vorsieht
- bestehende Systeme über Schnittstellen verbindet
- Metadatenqualität mittels Rating-Algorithmus bewertet
- Datenabgleich über Matching-Algorithmen ermöglicht
- eine plattforminterne Austauschlogik (EMR-Coin) nutzt
- durch eine unabhängige Institution betrieben wird
Das Ziel: Effizienter Datenaustausch ohne Verschiebung bestehender Machtverhältnisse.
Zentrale Erkenntnisse
Die Analyse zeigte:
- Hohe Bereitschaft zur Verbesserung der Metadatenqualität
- Geringe Bereitschaft zur Datenfreigabe gegenüber direkten Wettbewerbern
- Starke Fragmentierung technischer Standards
- Bedarf an Transparenz, Governance und Vertrauen
Eine dezentrale Lösung kann Machtkonflikte reduzieren, sofern:
- keine zentrale Datenspeicherung erfolgt
- kein monetärer Handel mit Metadaten stattfindet
- Governance unabhängig organisiert wird
Mehrwert & Transfer
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie wirtschaftsinformatische Methoden zur Lösung komplexer Plattform- und Governance-Fragestellungen eingesetzt werden können.
Die Ergebnisse liefern:
- Ein strukturiertes Anforderungsmodell
- Ein dezentrales Architekturkonzept
- Governance- und Anreizmechanismen
- Konkrete Handlungsempfehlungen für Prototyping und Weiterentwicklung
Das Konzept bietet eine Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung des europäischen Musikrechte-Managements.
